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Traumbilder

2.

„Ruf des Kranichs“

Mischtechnik

5. 1. - 21. 1. 1948

122 x 100 cm

Privatbesitz

Bild „Ruf des Kranichs“ von Geyer zu Lauf

 


„Versuch einer Schilderung meiner Bilder „Traum“ und „Ruf des Kranichs“:

Die neuen Arbeiten sind ein Auf- und Durchbruch zu den Bezirken des rein Dichterischen, Musikalischen, ohne dass dabei die Grenzen der ...?... Malerei verlassen wurden oder Gedankliches mitspricht. So gesehen sind es also Gegenbeispiele zu allem Abstraktem. Aber die Bilder sind wirklich Verdichtung des Kosmischen und in jener Schwebe gehalten, wie solches nur in der Welt des Traumes möglich ist, wo keine Dimension mehr gilt, alles Wandlung und unaufhörliche Verwandlung ist und wo Zeit und Raum weitgehend aufhören zu existieren, zum mindest das Dominierende zu sein.

Die Farbigkeit meiner neuen Arbeiten ist zu einer äußersten Leuchtkraft gesteigert, aber trotzdem gehört alles dem „Nächtlichen“ an, dem schöpferischen Dunkel. Wie ich schon sagte, hören die Größendimensionen auf, die Dinglichkeit des Einzelnen wird weitgehend aufgelöst und gelockert;  mit organischen Formen , der Fülle der Schöpfung abgelauscht, wird Erträumtes, Erschautes, aus dem Unbewussten kommend, heraufbeschworen und gestaltet. So wird das erstarrte, erstarrende vermieden, das so leicht dem Gemalten anhaftet; es wird zum mindest ein- und untergeordnet.

Farben, welche an die Inbrunst von alten Kirchenfenstern erinnern, glühen auf; schöpferische Feuchte durchzieht das Ganze. Tropische Fülle und Atmosphäre atmet dieses oben zweitgenannte Bild; Großinsekten, zum teil Fabelwesen, Fantasiefische und seltsame Traumblumen und Gebilde schweben vor einer magischen ferne. Wasser stürzen, tröpfeln und breiten sich, deren Abgrenzung zur Atmosphäre im Ungewissen bleibt, sodass ein Fisch sich ebenso gut in der Luft bewegen könnte. In fliessender Gestaltwerdung tauchen baumartige Formen auf, werden dichter, gestalteter, um sich wieder aufzulösen oder zu verwandeln in ganz andere Gebilde. Riesenhafte „Dornen“ schiessen auf, wurzelähnliche Gebilde hängen herab und verwandeln sich. Im Glast der tropischen Feuchte ahnt man in einer unbestimmten Ferne stalaktitenähnliche Gebirgsformen, umhüllt und überspült von palmenartigen Rhythmen. Formen, aus sich selber geboren, tauchen einzeln auf; weiche Großblättern schweben verhauchend im Farbigen. – Es hat etwas unendlich befreiendes, nicht starr gebunden zu sein an die Gesetze der Dinglichkeit, sondern der unmittelbar frei schöpferisch formenden Gestaltungskraft im eigenen Innern folgen zu können. Musikalische Parallelen liessen sich ziehen, etwa zu symphonischen Dichtungen Griegs oder, in der Wortkunst, zu Dichtungen Hölderlins in seinen späten Jahren.

Die handwerkliche Diktion ist eminent locker, spielerisch gleitend, manches wieder fest und scheinbar konkret gestaltet, oder in den Farben der Phantasie aufleuchtend. Der Kranich, nennen wir ihn so, ein Märchenvogel in Rosa, der seinen Schrei, den Ruf des Kreatürlichen ertönen lässt, gehört ebenso wie die „Licht- bzw. Traumblumen“, die, umflossen vom Schimmer einer Aura, wie Ahnungen aufblühen und wieder verklingen, der Welt des Märchenhaften an, die den Beschauer aufnimmt und ihn sich selber entführt.“

1. 3. 48,   gez. Hans von Geyer


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