Start Biographie Ausführliche Biographie

Biographische Notizen zu Hans Freiherr von Geyer zu Lauf

Der vollständige Name lautet: Hans Richard Rudolf Maria von Geyer.

Weiteres siehe Baden-Württembergische Biographien, Band III, 2002.

 

Bild Hans von Geyer zu Lauf mit VaterHans von Geyer wuchs in Günterstal bei Freiburg i. Br. auf, von wo er mit dem Fahrrad zur Schule, zum Realgymnasium und zu den Cellostunden fuhr, die er schon früh bekam; das geliebte Instrument hatte er dabei auf den Rücken geschnallt. Auf dieser Strecke lernte er den heimatlichen Schwarzwald bei jedem Wetter und zu jeder Tages- und Jahreszeit von klein auf gut kennen, denn sie war lang, und er war ein aufmerk- und einfühlsamer Beobachter.

Bild vom Elternhaus von Hans von Geyer zu LaufDas Elternhaus war das letzte Haus links talaufwärts, ein großes Holzhaus im Montafoner Stil, das von dort stammte, wo es abgebaut und hier wieder errichtet worden war. Es steht heute noch auf dem verwunschenen Grundstück, wo Hans und sein jüngerer Bruder Helmut aufwuchsen.

 

Bild Hans von Geyer zu LaufEin weiterer Bruder war im frühen Alter verstorben. Hier, vor den Toren der Stadt und im Umgang mit der Natur, wurde der Grund zu den Inhalten seiner Kunst gelegt. Er selbst nennt Freiburg bezeichnenderweise seine „mütterliche Stadt“, deren Zerstörung ihn tief getroffen hat. Seine Landschaften, seine Nebel, die Abgründe, die Bäume und später verwendeten, anderen Naturformen zeigen seine tief verwurzelte Verbundenheit mit dieser, seiner schwarzwälder Heimat.

Doch früh auch lernt er die Schattenseiten des Lebens am eigenen Leib kennen, wie durch ärztliche Zeugnisse belegt ist. Mit 15 Jahren erkrankt er tuberkulös an der Lunge, ist für Erkältungen und Kopfschmerzen anfällig, muss deshalb nach der Unterprima ein Schuljahr aussetzen.

Bild Hans von Geyer zu LaufNach dem Abitur kann er nicht zum Militär, um, wie es damals Ehrensache war, dem in den 1. Weltkrieg verwickelten Vaterland zu Hilfe zu eilen – wie seine Klassenkameraden. Auch sein Vater betrachtet dies als Schande, was er auch ausspricht (was den Zustand in der Familie beschreibt). Sein Musterungsausweis weist ihn im November 1916 als „arbeitsverwendungsunfähig“ aus und im Februar 1918 als für „ein Jahr kriegsunbrauchbar“.

Bild vom Musterungsausweis Hans von Geyer zu LaufSchließlich stellt sich eine Bauchspeicheldrüsen-TB heraus, die mit Bestrahlung und klimatischer Behandlung in Davos bekämpft wird. Der Vater muss um die verschriebene Milchzulage kämpfen. In Davos lernt Hans von Geyer die Mutter Jürgens und ihre Töchter Erika und Gretke kennen, die ebenfalls zur Kur dort sind. Sie helfen ihm mit ihrer Zuwendung psychisch und physisch auf die Beine.

Bild Hans von Geyer zu LaufErika arbeitet im Fraunhofer Institut in Worms und rät ihm angesichts der aussichtslosen Lage, ein neues Mittel auszuprobieren, das ihr Institut zur Behandlung dieser bisher nicht heilbaren Krankheit entwickelt hat. Dieses und ein „vorsichtiges körperliches und diätisches Verhalten“ überführen sein Leiden „in ein inaktives Stadium“. Er muss jedoch aufgrund der Krankheit seinen Wunsch, Ingenieur zu werden, aufgeben und wendet sich, seiner Begabung entsprechend, der Kunst zu.

Bild von Gretke JürgensEr geht nicht zurück nach Freiburg, sondern lebt 1917 am Ammersee, wo er in St. Georgen die 15 Jahre ältere Gretke Jürgens heiratet, die ihm mit ihrer lebendigen Güte und Wärme den Rückhalt und das eigene Hauswesen schenkt, die er jetzt braucht. Von dort aus beginnt er seine autodidaktische Ausbildung mit Museumsbesuchen und vorwiegend zeichnerischen Studien. Er studiert die alten Meister in der Münchener Pinakothek und erkundet die verschiedenen Maltechniken.

1917, im Jahr ihrer Eheschließung, zieht das Paar um nach Schönberg bei Bensheim a. d. Bergstraße, wo es „in einem großen, alten einer Verwandten gehörenden Haus wohnt“. Hans von Geyer, der seine Tante in Holland besucht, lernt die Museen in Amsterdam kennen, wo er auch malt. Er hat Kontakt zu dem emeritierten Dresdner Kunstprofessor und Orientmaler Eugen Bracht, der seit 1919 in Darmstadt lebt und ihn als Schüler annimmt. Die Beziehung dauert nicht lange, denn Bracht stirbt 1921. Das Ehepaar von Geyer lebt sich in der neuen Umgebung ein. Er wird als geistig-musische Persönlichkeit über die Malerei hinaus anerkannt und geachtet.

BildMan beteiligt sich an Hausmusik und sonstigem gesellschaftlichem Leben. Ein weiteres Beispiel: als Abschiedsgeschenk bekommt er von Auguste Heussler, mit der er oft musiziert hat, zum Dank einen ehemaligen Konzertflügel der Clara Schumann geschenkt, den diese ihr einst überlassen hatte. Seine Malerei dagegen war eher brotlos. Hans von Geyer hatte sich, als er selbstständig wurde, sein Erbteil auszahlen lassen und das Geld, entgegen dem Rat seines Vaters, nicht sofort in Immobilien angelegt. Durch die Inflation verlor er sein ganzes Vermögen und musste von seiner Malerei und familiärer Unterstützung leben.

 

Bild Hans von Geyer zu LaufEs gab einzelne Liebhaber seiner Malerei und Freunde, die ihm durch Ankäufe zu helfen versuchten. Aber seine Ausstellungen waren zumeist „ergebnislos“. Doch Öffentliche Anerkennung blieb aus. Auch hatte er immer wieder mit seiner Gesundheit zu tun, wollte deshalb auch keine Kinder. Seine Sensibilität führte aufgrund der beruflichen, politischen und wohl auch privaten Erlebnisse immer wieder zu depressiven Zuständen, mit denen er zu kämpfen hatte.

 

Vielleicht ist es gerade seine Leid-Erfahrung, die ihn, in seine Geistigkeit gekleidet, den anderen so hilfreich werden und vollkommen erscheinen ließ. Conny Gatterburg, entfernte Kusine, schreibt 1959 in ihrem Kondolenzbrief an die Witwe Isolde von Geyer: “Hans war uns, solange wir ihn kannten, innerlich und äußerlich, Vorbild und Spiegel wirklicher Ritterlichkeit, – selten erlebten wir einen im schönsten Sinne vornehmeren und edleren Menschen. Die Noblesse und Harmonie, die von ihm ausstrahlte, teilte sich, so glaube ich, jedem mit, der ihn traf, und vielleicht war es auch das, was uns seine Bilder so unendlich schön und kostbar erscheinen ließ“.

Bild „Orphische Landschaft“Es wird einsamer um den Maler, der sich mehr und mehr in sich und seine Malerei zurückzieht, die er in der zeitraubenden, lasierenden Dürertechnik ausführt. Er korrespondiert mit dem Malforschungsinstitut Dörner in München, mit dem er Erfahrungen austauscht. Grundlage seiner selbst hergestellten Bindemittel und teilweise auch Farben sind die Rezepte von Cenino Cenini aus dem 15. Jh., die er für seine Zwecke umsetzt. Gegen Ende der 30er Jahre entstehen in der Ehe Schwächezustände und Schwierigkeiten, wovon vor allem das Bild „Orphische Landschaft“, gemalt 1937/38, mit seiner unerbittlichen Kälte und durch den Titel, zeugt. In dieser Zeit zieht das Ehepaar um in das Fürstenlager bei Bensheim-Auerbach.

 

BildBald aber zieht er ganz aus, nach Freiburg, von dort, nach seiner Ausbombung, wieder zurück ins Fürstenlager, dann, in der schwierigsten Zeit: „ .....1945 Kriegsausgang und Not aller Art. Anfangs Dezember 45 zog ich vom Fürstenlager mit Gretke und allem Hausrat zu meinem Vater nach Emmendingen“ (Eintrag im Wachstuchheft).
Zum Angriff auf Freiburg gab der Vater Rudolf von Geyer zu Lauf seiner Cousine Olga von Stockhausen (Mutter von Juliana Gräfin von Gatterburg) am 2. Dezember 1944 u. a. folgende Beschreibung (siehe hier). 

 

BildNach dem Krieg fängt Hans von Geyer 1946 wieder an zu malen und beginnt im Dezember 1947 die lange Reihe der „Traumbilder“, mit denen eine ganz neue Phase der Malerei bei ihm beginnt: er führt die gesamte Untermalung jetzt al prima in Aquarell aus, wodurch die Trocknungszeit enorm verkürzt wird, was bei seiner Malweise, der Mischtechnik, Zeitgewinn bedeutet. Frau Gretke ist psychisch erkrankt und wird zeitweise in der damaligen Heil- und Pflegeanstalt stationär behandelt.

 

Bild Hans von Geyer zu Lauf mit Ehefrau IsoldeEs kommt zur Scheidung als Isolde Frey 1948 in das Leben der drei Freiherren von Geyer eintritt, denn der verwitwete Vater lebt mit seinen zwei Söhnen zusammen in der Villa am Schlossberg in Emmendingen. 1949 heiraten Hans von Geyer und Isolde Frey, die ihm neuen Lebensmut und viel schöpferische Kraft gibt, und die auch, bei den Verkäufen und auch sonst tätig, mit zum Lebensunterhalt beitragen hilft.

 

Bild1952 entsteht in Emmendingen seine Hauptarbeit und sein Vermächtnis, das Tafelwerk „Ein kosmischer Gesang“, wie ein mittelalterlicher Wandelschrein, in Form einer dreifachen Trilogie. 1954 zieht das Paar um in die größere Stadt Freiburg, „um leichter erreichbar zu sein“ (Hans v. Geyer). In seinen Bildern entwickeln sich aus den Naturformen auch bald abstrakte Elemente (z.Bsp. Kleinstaquarelle).  Aber bevor angefangene Abstraktionen und Themenreihen zu Ende gebracht werden, holt ihn während eines Gewitters der Unfalltod aus dem Leben.

 

Die Malerei und die Person Hans von Geyers wird besonders beleuchtet von drei Schriften:

1. durch den Nachruf seines besten Freundes Ubald von Roll (hier als PDF-Datei),

Bild vom Grabkreuz der Familie Freiherr v. Geyer zu Lauf

2. durch die Einführungsrede des Kunstgeschichtlers Dr. Franzsepp Württenberger,
    Dozent an der TH und an der Kunstakademie Karlsruhe, zur Ausstellung in Pforzheim und

3. durch das ganz private Exposé von Frau Irmgard Thumm zu der Malerei
    und einigen Bildern von Hans von Geyer zu Lauf (hier als PDF-Datei).

Emmendingen, 18. Januar 2009 Bernd Kellner.