Start Biographie Bericht vom Vater

Bild vom Vater von Hans von Geyer zu Lauf

Der Vater von Hans von Geyer, Rudolf von Geyer zu Lauf, notiert auf Anraten seiner Cousine Olga von Stockhausen, als er 70 geworden war, Erinnerungen aus seinem Leben.

Unter den zeitgeschichtlich interessanten Handschriften findet sich über die Jugend seines Erstgeborenen folgendes Kapitel:

Unser erstes Kind kam am Neujahrstage 1895 nachmittags 2½ Uhr zu Freiburg i/Brg im Hause seiner Großmutter Thoma, Ludwigstr. 36, zur Welt und erhielt die Namen Hans Richard Rudolf Maria. Pathen desselben sind Eugen Röttler in B’baden und Frau Auguste Kiefer, geb. Kaufmann in Heidelberg.

Bild von Hans von Geyer zu Lauf als kleines Kind

Seine früheste Kindheit durchlebte der Kleine, ein reizendhübsches Kind mit hellblonden Löckchen, in Würzburg und Heidelberg; an letzterem Orte machte er eine ruhrartige Darmerkrankung durch. Dann kam er mit uns nach Frkft., wo er einen leichten Typhus und dann Keuchhusten überstand. Dort war sein täglicher Tummelplatz der nahe Palmengarten und sonntags ging es natürlich nie oft genug in den Zoolog. Garten, wo ihn der Elefant stets am meisten fesselte, weil er auf der Drehorgel so schön Musik machte. So zeigte sich schon da beim dreijährigen kl.  Stöpsel die musikalische Veranlagung.

Bild von Hans von Geyer zu Lauf als Kind

Unsere Übersiedlung nach Frbg. in die Eisenbahnstr. brachte unserem Jungen die ersten Spielkameraden, Ifor(?) Hüetlin u. Erich Hüglin und dann nach wenigen Jahren den Eintritt in die Schule: eine Privatschule mit etwa einem Dutzend Gleichaltriger im Hause Prof. Herrenknechts. Nach erlangter Reife trat er in die Sexta des humanist. Bertholdgymnasiums ein und vertauschte dieses zu Beginn der Tertia mit dem Realgymnasium unter dem vortrefflichen Pädagogen Geh. Rath Martin.

Leider war die Schulzeit durch häufige Krankheiten gestört: wiederholte Anginen und Diphterie, Masern Scharlach, Ohrenentzündungen, eine Reizung des Blinddarms u. 1911 eine Affektion der linken Lungenspitze, die zwar stürmisch und mit hohem Fieber einsetzte, aber auch überraschend schnell ablief u. in Heilung überging. Dass der arme Junge infolge dieser häufigen Krankheitsfälle u. bei seinem starken Wachsen recht geschwächt wurde, ist klar. Beeinflußt wurde überdies sein Befinden dadurch, dass er vom ersten Jahr schon ab an gestörtem, unruhigem Schlaf litt, viel träumte, nachts aufschrie u. von Angstanfällen geplagt wurde, Störungen thyreogener Art, die natürlich sein Nervensystem ebenfalls stark beeinflußten u. es schwächten.

Bild vom Attest für Hans von Geyer zu Lauf

Mit diesem Komplex stehen auch von Zeit zu Zeit auftretende Attaquen von schwerer Nesselsucht im Zusammenhang, an denen er noch heute ab und zu leidet. Im Jahr 1915 aber trat bei ihm eine tumorartige Neubildung im Bauchnetz auf, die uns besonders schwer besorgt machte. Ein halbjähriger Kuraufenthalt in Davos war ohne Erfolg. Aber eine längere Behandlung mit Röntgenstrahlen auf Anordnung des Geh. Raths De la Camp brachte endlich Stillstand und Heilung. Diese Erkrankung hatte sich ganz schleichend entwickelt und dokumentierte sich durch Appetitmangel, viele Kopfschmerzen u. Schwächegefühl. Da sich objektiv nichts weiter nachweisen ließ, suchte man die Ursachen dieser Beschwerden zunächst im riesigen Wachstum des Körpers und Überanstrengung in der Schule u. hoffte, dass eine Luftveränderung und Schulpause günstig wirke.

Bild von Hans von Geyer zu Lauf als junger Mann

Deshalb wurde Hans aus dem Unterricht genommen und an die Südküste Englands zu einem Reverend – ? – in – ? – bei Hastings zur Erholung gesandt, auch in dem Gedanken, dass so für ihn diese Zeit nicht ganz verloren gehe, der Verlust vielmehr durch Erlernen der engl. Sprache kompensiert werde. Leider hat das uns gut empfohlene Haus keineswegs das gehalten, was es versprochen – so zwar, dass Hans, der immer große Selbstständigkeit und raschen Entschluß zeigte, sich nach ca. 2 Monaten schon kurzerhand  dort Schluß machte, noch einen kurzen Abstecher nach London unternahm u. dann heimtelegrafierte, dass er auf der Rückreise sei. Zwar versetzte uns diese Nachricht, die wie eine Bombe aus heiterem Himmel einschlug, in nicht geringe Bestürzung. Aber als wenige Wochen nachher ebenso überraschend der Weltkrieg ausbrach, segneten wir diese rasche That unseres Kindes, das ohne sie ja sofort in ein engl. Konzentrationslager gesteckt worden wäre u. seiner neuesten Erkrankung, die sich nun bald deutlich in ihrem Wesen erkennen ließ, in einem solchen sicher erlegen wäre. So aber wurde uns unser Erstgeborener aus Feindeshand und –land durch seinen Handstreich gerettet.

Nachdem der Krieg ausgebrochen war, wurden den jungen Leuten in seinem Alter besondere Erleichterungen gewährt zur Absolvierung des Abiturientenexamens, auch wurde ihm der Wiedereintritt in seine alte Klasse ohne jede Schwierigkeit erlaubt. Beides natürlich sich zu Nutze machend, legte Hans dann die Prüfung mit Erfolg ab.

Bild vom Musterungs-Ausweis für Hans von Geyer zu Lauf


Bald danach musste er sich zur militär. Musterung stellen, doch musste er bei dieser, wie den noch folgenden, mit Rücksicht auf seinen geschwächten Körper zurückgestellt werden, worunter er begreiflicherweise schwer litt. Da er damals überdies schließlich bis zur Länge von 192 ctm aufgeschoßen war, sein Körper aus besagten Ursachen fast gar nicht turnerisch trainiert war, hätte er in jenen Jahren die Strapazen beim Heer unmöglich aushalten können.

Heute hat sich dies zum Glück sehr gebessert; mit zäher Energie kräftigte er sich u. ist heute sehr ausdauernd und leistungsfähig geworden, insbesondere wiederholt sich, wenn auch nicht im selben Umfang, die Kraft in den Armen und Händen, die sein Großvater Emmerich besaß; auch besitzt er dasselbe Geschick in allen Basteleien in vollem Umfang. Aber zu diesem im Gegensatz wurde er ein feinsinniger Musiker von bestem gehör, Geschmack u. Können; er ist ein guter Klavierspieler und noch viel besserer Cellist geworden. Mir schlug er leider nach in der völligen Unbegabtheit in Mathematik. Das hinderte ihn s. Zt. Bei der Berufswahl, hatte es doch lange den Anschein, als wolle er ein Ingenieurfach wählen. Aber der Mangel an rechnerischer Begabung stand dem strikte im Wege. Erst anno 1915 während des Davoser Aufenthalts zeigte es sich, dass ihm Zeichnen und Malerei höchste Befriedigung geben u. er die Berufung zum bildenden Künstler in sich trägt.

Bild von Hans von Geyer zu Lauf

Dementsprechend bezog er nach seiner Wiederherstellung zunächst die Kunstgewerbeschule in München zu kurzer Gastrolle und konnte da aufgrund von Prüfungsergebnis und Zeichnungen die Vorklassen sofort überspringen. Da ihn aber der schablonenhafte Unterricht abstieß, trat er nach wenigen Wochen wieder aus u. geht seither seinen eigenen Weg. Die dabei allmählich gezeitigten Erfolge als Landschaftsmaler lassen den Schluß zu, dass er auf dem rechten Wege ist, und die wachsende Vertiefung und Bedeutung seiner Werke berechtigen zu den schönsten Hoffnungen. Freilich braucht es dazu in der heutigen schweren Zeit auch die Einsetzung aller Kräfte und zäher Energien; doch hieran lässt er es im Verein mit strenger Selbstkritik nicht fehlen.

Bild Hans von Geyer zu Lauf mit Ehefrau Gretke Jürgens

Schon in frühen Jahren gründete Hans sich den eigenen Hausstand. Es war am 26. IV. 1917, als er sich in Diessen am Ammersee mit Frln. G. J., die er im Sanatorium in der Schweiz hatte kennen lernen, vermählte. Die Neuvermählten nahmen ihren Wohnsitz in Schönberg in Hessen, wo sie im Hause einer Verwandten der Frau Unterschlupf fanden. Nicht unerwähnt möchte ich die einzigartige Hochzeitsfeier unseres Ältesten lassen, bei der man allerdings dessen eingedenk sein muß, dass sie in die schlimmste Kriegszeit fiel: Mitten aus der Arbeit des Umzugs von Diessen heraus spazierte das Brautpaar mit 2 ihm kaum bekannten Zeugen zum Standesamt, der Bürgermeister waltete seines Amtes, man unterschrieb u. – ging wieder – jetzt als Ehepaar – an die Fortsetzung des Einpackens. Damit war das Fest vorbei. Ich kann schon sagen, dass ich mir die Hochzeit meines Erstgeborenen doch etwas anders vorgestellt habe.

Damit enden die väterlichen, handschriftlichen Aufzeichnungen.