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Hans Freiherr von Geyer zu Lauf zum Gedächtnis

(Freiburger Zeitung vom 17. August 1959)


Selten ist ein schaffender Mann so einsamen Weg gegangen wie Hans von Geyer zu Lauf. Ohne einen Meister zum Lehrmeister gehabt zu haben, hat er aus eigenem jene Kräfte und jene Techniken entwickelt, die, mittelalterlicher Maltechnik verwandt, ihm geeignet schienen, das lebendige Leben, sei es irdischer, sei es kosmischer Herkunft, zu gestalten. Als ein Mann, der nicht auf dem Markt zu finden war, noch nach Beifall haschte, schuf er in selbstgewählter Klausur auf dreierlei Weise ein Bleibendes: transparente und leuchtende Tafelbilder als Bekenntnisse zum natürlichen und kreatürlichen Leben, Silberstiftzeichnungen als Versuche mit Form und Gestalt und schließlich jene Aquarelle, die von der Landschaft mehr als das Anwesendsein, nämlich den Hauch einfingen, der als Odem das irdische beseelt.

Hans von Geyer ist gebürtiger Freiburger, am 1. Januar 1895 geboren und in Günterstal aufgewachsen. Seine Stationen führten ihn über den Odenwald und Emmendingen nach Freiburg zurück, wo er nun auch seine bleibende Stätte fand.

Bild der Grabstätte Hans Freiherr von Geyer zu Lauf, Herbst 2009

Bei der Totenfeier würdigte Graf von Dürckheim das Werk und die Person Hans von Geyers. Eindringlich und genau zeichnete er die Situation, als er ihn einen Schaffenden am Rande des Abgrunds nannte. Es entbehrt nicht der Härte und wirkt dennoch befreiend, den status quo, in dem wir alle uns befinden, einmal, unverschleiert mit dem treffenden terminus genannt zu hören. Zur Person Hans von Geyer hatte Graf von Dürckheim statt langer Rede verhalten aber deutlich nur ein einziges ausgestorbenes Wort zu sagen: er war ein Edelmann. – Ubald von Roll sprach für die Freunde des Verewigten das Persönlichere. Franz Schneller legte im Namen der Stadtverwaltung Blumen nieder. –

Als am Nachmittag des 10. August alle Elemente der Natur über unserer Stadt entfesselt waren, hat des Todes herrische Hand diesen Mann aus dem Leben gerissen, so jäh, dass es ihm nicht möglich war, von allen geliebten Dingen dieser Erde, die Gegenstände seines Schaffens waren, Abschied zu nehmen. Und da er nicht Abschied nahm, scheint es, als weile er noch immer, auf seine Weise mit den Kräften ringend, die die Welt bewegen, ihre Schönheit nachschaffend im Bild und im Gleichnis und Beispiel gebend durch die Noblesse seiner Persönlichkeit.

Heinrich Weiss