Start Biographie Werdegang

Hans Freiherr von Geyer zu Lauf war, nach der überstandenen, sein Leben bedrohenden  Krankheit, gezwungen, sich einem anderen Beruf als der ursprünglich geplanten Ingenieurlaufbahn zuzuwenden. Seiner Begabung entsprechend wählte er das Gebiet der Bildenden Kunst und begann, sich autodidaktisch mit der Malerei zu beschäftigen.

In St. Georgen, in der Nähe des Ammersees, wo er 1917 heiratete, war seine erste Wohnung. Von dort aus begann er, die Münchener Kunstsammlungen zu besuchen und die Altmeister zu studieren, vor allem Dürer und die Meister der Donauschule. Anlässlich seiner Besuche bei Tante Hein in Holland, wo er Hafen- und Strandszenen malte, besuchte er auch die Bildersammlungen in den Museen von Amsterdam, um sich technisch und gestalterisch weiter zu bilden.

1920 zog er nach Schömberg bei Bensheim an der Bergstraße, nicht weit von Darmstadt. In den Nachfolgebänden des Künstlerlexikons von Thieme-Becker, herausgegeben von Vollmer, ist Hans von Geyer zu Lauf verzeichnet mit dem Bemerken: „Schüler von Eugen Bracht, im übrigen Autodidakt“.

Im Thieme-Becker, Band 4 von 1910, steht über diesen:

Eugen Bracht (siehe Wikipedia)

bis 1881 in Karlsruhe, Nachfolger Wildbergs an der Akademischen Hochschule in Berlin, dort ab 1884 Professor, 1901 nach Dresden.
Inhaber mehrerer Goldener und Silberner Medaillen, amtlicher Berichterstatter über die Englische Kunst für die Ausstellung zu Manchester.

1. Periode (etwa bis 1880) unter dem Einfluss einer dramatischen Erfassung der Natur.

Die 2. Periode entwickelt durch die orientalischen Eindrücke das koloristische Element unter Beibehaltung des Gedankeninhalts.

Eine Orientreise 1891/92 entwickelt seine Kunst aus mehr stofflichen zu mehr malerischen Zielen unter Aufgabe des Gedankeninhalts, ... beeinflusst auch seine Technik in der Vereinfachung des Farbigen und Herausarbeitung der Stimmung in einer gesteigerten Knappheit und Gliederung der Massen.

... sowie auch Bilder, in denen er das Nüchterne und Werktägliche eines Fabrikbetriebs für malerische Poesie zu gewinnen sucht, z. B. „Mittagspause im Fabrikhof“, „Hochofen“.

Im Saur, Allgemeines Künstlerlexikon Band 13 ist zu lesen:

Bracht, Eugen Felix Prosper,

Deutscher Landschaftsmaler

Geb.   3. 7. 1842 in Morges am Genfer See
Gest.  15. 11. 1921 in Darmstadt

1919 Emeritierung und Übersiedlung nach Darmstadt. Erwirbt das Anwesen „Haus in Rosen“ von Hans Christiansen auf der Mathildenhöhe.

Lebenslange Freundschaft mit Hans Thoma.

1859 – 61 Kunsthochschule Karlsruhe bei Schirmer u. a.
1864 – 74 Wollhändler
1875 - 77 Künstlerischer Neuanfang bei Gude in Karlsuhe
1880 / 81 Erste Orientreise mit Adolf von Meckel und Carl Coven Schirm
1882 Lehrer für Landschaftsmalerei an der Kunstakademie in Berlin, wo er
1884 Mitglied wird. Aufträge, darunter in Philadelphia und Chicago (die Schlacht von Chatanooga)
1891/92 Zweite Orientreise
Ab 1901 Professor für Landschaftsmalerei an der Dresdener Akademie und Geheimer Hofrat
1912 Zum 70. Geburtstag Retrospektiven in Darmstadt und Dresden
(bedeuten den Höhepunkt seiner künstlerischen Laufbahn)
1901 – 16 Zweite Hauptschaffensphase, d.h. Impressionismus, Aufhellung der Palette, atmosphärische Werte der Landschaft
1915 – 21 Spätwerk zeigt Grenzen der künstlerischen Entwicklung, allmähliche Isolierung von der aktuellen Kunstszene, hält an den Prinzipien des Naturalismus und Impressionismus fest; einzelne expressive Tendenzen bleiben ohne stilbildende Folgen.

Professor Bracht hat also Interesse an dem jungen adligen Maler gezeigt, den das Schicksal so aus der Bahn geworfen hatte und hat ihm wahrscheinlich einige Stunden Malunterricht gewidmet. Weiteres wissen wir darüber nicht.

Das frühe zeichnerische Werk von Hans von Geyer zeigt jedenfalls eine erstaunliche Meisterschaft sowohl in Beobachtung als auch Darstellung von Blumen, Kräutern und Gräsern, worin er durch diesen Landschafter gewiss bestärkt worden ist. Naheliegend ist auch, dass die Farbigkeit in den späten Bildern von Hans von Geyer, womöglich auch seine späteren traumhaften Bildinhalte, auf die frühe Begegnung mit diesem Orientkenner und -maler Bracht zu tun haben können.

Wesentliche Rezepturen für seine Malerei hat Hans von Geyer aus dem „Handbüchlein der Kunst“ des Cennino Cennini (1370 – 1440) übernommen. Es wurde neu übersetzt und herausgegeben von P. Willibrord Verkade O. S. B., Mitglied der Beuroner Kunstschule, und ist 1916 in Strassburg bei J. H. ED. Heitz (Heitz & Mündel) erschienen. Das „Libro dell’arte o trattato della pittura“ erschien um 1390 und nennt die Kunst der Malerei ein Erzeugnis von „Phantasie und Handwerk“. Es gibt für die Malerei des Hans von Geyer zu Lauf keine bessere Beschreibung als diese.

Auch trat er in Korrespondenz mit dem 1937 von dem Landschaftsmaler und Akademieprofessor in München Max Doerner dort eröffneten Malforschungs-institut, das inzwischen Weltrang erlangt hat. Er hat sich also im Vorfeld schon bemüht, bis er von der reinen Dürer-Technik zu seiner „diaphanen“ Technik fand, über die er im Dezember 1947 schreibt:  „Die entscheidende Phase in meinem Schaffen bricht an.   …    Entscheidendes mit den ,Traumblumen’. Untermalung al prima mit leuchtenden Aquarellfarben auf (isolierte) Gips-Kreidegründe. Grosse Abkürzung. Darüber Mischtechnik, also Harzfarblasuren u. Tempera.“